Frauenbefreiung

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen

„Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation“ (Karl Marx 1846)

Geschlechtersozialisation –
„Wir werden nicht als Frauen geboren, wir werden dazu gemacht“
(Simone de Beauvoir 1951)

Von der Geburt an wird ein Mensch je nach Geschlechtszuteilung sozialisiert und in starre Geschlechterrollen gedrängt; beispielsweise durch eine unterschiedliche Erziehung zum Sauberkeitsbewusstsein oder durch geschlechtsspezifisches Spielzeug. Kinder lernen schnell was es bedeutet ein Mädchen oder ein Junge zu sein und welche Erwartungen an diese Geschlechterrollen bestehen. Ab ihrem sechsten Lebensjahr gehen Kinder davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Weiblichkeit und Männlichkeit bleiben Identitätsschablonen.  Abweichungen sind in dieser Gesellschaft zwar denkbar, aber nur schwer auszuleben.

In einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden Frauen und Männern unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben und als ‚natürlich‘ wahrgenommen. So werden Frauen ab- und Männer aufgewertet: Frauen seien emotional, passiv und schwach, während Männer rational, der Logik verbunden und handlungsfähig seien. Dadurch wird der Anschein erweckt, ‚männliche Eigenschaften‘ seien erstrebenswerter. In einer auf diese Weise patriarchal organisierten Gesellschaft, wird Frauen durch ihre Rollenzuweisung eine untergeordnete Position zugeteilt. Gegen den Trugschluss, Frauen seien bereits gleichberechtigt, gilt es daher nach wie vor anzukämpfen.

Just married – Kapitalismus und Patriarchat

Der Kapitalismus und das Patriarchat führen eine erfolgreiche Ehe und beuten Frauen im doppelten Sinne aus: Zum einen durch Lohnarbeit, zum anderen durch unbezahlte Reproduktionsarbeit (Erziehungs-, Haus- und Betreuungsarbeit). Auf diese Sorgearbeit ist der Kapitalismus nach wie vor angewiesen, um eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten, die sich der Profitlogik verschrieben hat.

Frauen gehen häufig prekären Beschäftigungen nach: sie arbeiten in Teilzeit und sind stark in unterbezahlten Branchen vertreten. Den Arbeitsbereichen in denen überwiegend Frauen vertreten sind, wird gesellschaftlich weniger Wert beigemessen. Das macht Frauen für kapitalistische Ausbeutung besonders attraktiv. Auch für die gleiche Arbeit, wie ihre männlichen Kollegen, verdienen Frauen durchschnittlich 22% weniger. Dennoch herrscht gesellschaftlich die Vorstellung von Chancengleichheit. Würden Frauen hart genug arbeiten, bekämen sie ihr Stück vom Kuchen. Scheitern sie in dieser Leistungsgesellschaft, tragen sie die Schuld allein. Die verantwortlichen patriarchalen und kapitalistischen Strukturen werden ignoriert. Diese halten Frauen und insbesondere Mütter, die sich in heterosexuellen Beziehungen befinden, sowie geschiedene Frauen in finanzieller Abhängigkeit von Männern.

Die Reproduktionsarbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen verrichtet,  im Schnitt erledigen sie am Tag 100 Minuten mehr Haus- und Betreuungsarbeit als Männer. Demzufolge sind Frauen überproportional im privaten Bereich vertreten, während Männern in der öffentlichen Sphäre die vergleichsweise privilegierte Position der Lohnarbeit zukommt. Diese ist gesellschaftlich überbewertet und wird nur dadurch möglich, dass die lebenserhaltende und lebensentwickelnde Reproduktionsarbeit verrichtet wird. Dadurch, dass Frauen diese übernehmen, muss sich weder Staat noch Kapital darum kümmern. Dies ermöglicht, insbesondere den Frauen, aber auch gesamtgesellschaftlich der Klasse der Lohnabhängigen, weniger vom Mehrwert abzugeben.

Sex sells – Frauenkörper als Marke

„Nur dann wenn wir unseren Körper richtig scheiße finden, erhöhen wir unsere Kaufkraft, [denn] wir müssen unsere Fuckability-Spanne verlängern“(Caroline Kebekus 2015)

Durch Werbung und Medien wird ein bestimmtes Bild von Weiblichkeit vermittelt und verkauft: Frauen sollen jung, selbstbewusst und sexuell anziehend sein. Männer dagegen können auch im Alter noch ein sexy Schlitten sein. Um unrealistische Schönheitsideale zu erfüllen, versprechen unzählige Pflegeprodukte Abhilfe. Über 80% aller Produkte und Dienstleistungen werden in den westlichen Industrienationen von Frauen gekauft. Die patriarchale Kapitalismusmaschine hängt zusätzlich zur Unterbezahlung und der Verrichtung unbezahlter Reproduktionsarbeit von der Kaufkraft von Frauen ab.

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist alltäglich und dient als zentrales Mittel ihrer Unterdrückung. In Europa erfährt jede dritte Frau Gewalt. Durch psychische, physische, sexuelle sowie strukturelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen werden Patriarchat und männliche Dominanz gesichert. Gewalt gilt gesamtgesellschaftlich als verpönt; in der Realität werden betroffene Frauen jedoch häufig nicht ernst genommen. Das Geschehene wird betont in Frage gestellt. Betroffene müssen sich ihrem Umfeld oder sogar fremden Personen gegenüber ständig erklären. Zudem wird ihnen nach einer Täter-Opfer-Umkehr häufig eine (Mit-)Schuld an sexueller Gewalt unterstellt.

Der imperialistische Kapitalismus ist nach wie vor auf Kriege angewiesen um sich Rohstoffe, Märkte, Macht und damit Profit zu sichern. Um diese Interessen zu verschleiern und die Kriegsführung zu legitimieren, instrumentalisieren westliche Staaten die Unterdrückung der Frau. So wurde die ‚Befreiung der Frau‘ beispielsweise als Zusatzargument für den 2014 für beendet erklärten, jedoch immer noch andauernden, Afghanistan-Krieg angeführt. Dabei nehmen die Imperialist_innen billigend in Kauf und tragen Verantwortung dafür, dass Frauen im Krieg von massiver Gewalt betroffen sind: Mord, (Massen-)Vergewaltigung als Kriegsinstrument, Vertreibung, Armut, Hunger, sowie Mädchen-/Frauenhandel und Zwangsprostitution sind Folgen kapitalistischer Profitgier.

Her mit dem besseren Leben – Für einen klassenkämpferischen Feminismus!

„Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“
(Simone de Beauvoir)

Solange die Reproduktionsarbeit private und nicht gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, bleibt die Unterdrückung der Frau bestehen. Eine Angleichung von Frauenrechte an Männerrechte bietet in diesem System keine Gleichberechtigung. Erst durch die Überwindung des Kapitalismus kann die Befreiung der Frau verwirklicht werden. Bis dahin werden wir jedoch bereits im Hier und Jetzt für diese Befreiung kämpfen. Dafür brauchen wir einen Feminismus, der sich nicht scheut die soziale Frage zu stellen. Wir wollen einen Beitrag zu einer klassenkämpferischen Frauenbewegung leisten, die das Netzwerk aus Patriarchat und Kapitalismus als Ursache von Frauenunterdrückung erkennt und bekämpft. Dazu können uns internationale Beispiele entschlossener und militanter Frauenkämpfe Vorbild sein, wenngleich wir die hiesigen Verhältnisse berücksichtigen müssen. Der Kampf für die Befreiung der Frau muss zu einem alltäglichen und gleichgewichtigen in der revolutionären Linken werden. Deshalb haben wir den Anspruch jedes Thema aus einer Haltung zu analysieren, die dem Geflecht aus Patriarchat und Kapitalismus unversöhnlich gegenübersteht und dieses nicht aus dem Blick geraten lässt.

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