Rassenhass zu Klassenhass

Roter Aufbau Rhein / Ruhr

Rassismus und offener Hass nehmen in vielen Ländern der Welt zu – auch in Deutschland. Laut Bundesinnenministerium hat es 2016 in Deutschland 3500 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Dabei wurden 560 Menschen Verletzt, 43 davon Kinder. Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) veröffentlichte hierzu, vor kurzem, noch besorgniserregendere Zahlen: Alleine in Ostdeutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen fanden pro Tag im Durchschnitt 5,3 rechts motivierte Gewalttaten statt, 3.050 Personen wurden verletzt oder massiv bedroht. Besonders Besorgniserregend: 9% der Opfer, waren laut dem Bericht der VBRG, Kinder.

Gleichzeitig feiert das parlamentarische Gesicht des Rassismus in Deutschland, die AFD, einen Wahlerfolg nach dem andern. Sie eroberten Landtag für Landtag: Sachsen-Anhalt; 24,2%, Rheinland-Pfalz; 12,6%, Baden-Württemberg; 15,1%, Mecklenburg-Vorpommern; 20,8%, Berlin; 14,2%, um nur einige ihrer Erfolge zu nennen.

Was aber ist Rassismus überhaupt und warum findet er heute erneut so großen Anklang innerhalb der Bevölkerung?

Der Rassismus teilt die Menschen nach bestimmten Körperlichen-, Kulturellen-, Nationalen- sowie Religiösen Eigenschaften in verschiedene Gruppen („Rassen“) ein und versieht diese mit einer Bedeutung und Bewertung. Diese Einteilung und Bewertung schafft die Grundlage für die Herabwürdigung der jeweils anderen „Rasse“, während im Gegenzug die eigene Zugehörigkeit zu einer bestimmten „Rasse“ bestärkt wird.

Während im Feudalismus noch die „gottgegebene“ Ordnung Grund genug für die Ausplünderung und Versklavung anderer Völker war, stieß die Feudalgesellschaft immer mehr, mit den Interessen des aufkommenden Kapitalismus zusammen.

Für die Entwicklung einer kapitalistischen Wirtschaft musste die übrige Welt zunächst ausgeplündert werden. In Kolonialkriegen unterwarf man fremde Völker und plünderte ihre Reichtümer. Die Kolonialisierten Gebiete außerhalb von Europa wurden zu Schauplätzen von Gewaltaktionen die von Vertreibung bis hin zum Völkermord reichten.

Sei es die Ausbreitung der angelsächsischen Siedlerkolonien in Nordamerika und Ozeanien, welche die fast vollständige Ausrottung der indigenen Bevölkerungen nach sich zog; der Vernichtungskrieg, auch „Rassenkampf“ wie die Deutschen ihn nannten, gegen die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika mit ungefähr 100.000 Toten oder die Niederschlagung der Maji-Maji Rebellion mit der Strategie der so genannten „Verbrannten Erde“, der etwa 180.000 Menschen zum Opfer fielen. Beispiele findet man zuhauf.

Begründet wurde der Kolonialismus und Imperialismus gegenüber Afrika, Lateinamerika und Asien mit diesen angeblich angeborenen Unterschieden. Der Rassismus als Vorwand rechtfertigte für sie die Unterwerfung, Ausbeutung, Abwertung und Versklavung.

In der Krisenepoche des Kapitalismus wurde der Rassismus, gepaart mit Nationalismus, von den Herrschenden eingesetzt. Nicht mehr primär um koloniale Ausbeutung zu rechtfertigen, sondern neuerdings um innerhalb der Länder die Bevölkerung zu spalten und um Sündenböcke dingfest zu machen.

Die Krise der zwanziger und dreißiger Jahre stellte Bauern, Angestellte, Handwerker und Händler vor den Ruin, der Abstieg von der „Mittelschicht“ in die ohnehin verarmte Arbeiterschaft stand vor der Tür. Das Kleinbürgerliche Wertesystem ging in die Brüche und die Schicht der Kleinbürger wurde überflüssig. Nach verschiedenen Niederlagen der Arbeiterbewegung ging diese Schicht zu den von dem Großkapital finanzierten Nazis über.  Dies schaffte, zusammen mit einem ideologischen Gemisch aus Ariermythos, Nationalismus, Kolonialrassismus, Rassenhygiene und dem enormen Hunger der Konzerne nach billigen Arbeitskräften, die Grundlage für das wahrscheinlich am besten geplante und umfassendste Verbrechen der Menschheitsgeschichte, die Vernichtung von Millionen Menschen im Krieg und in den Konzentrationslagern.

Nach dem Krieg gab es in Westeuropa, welch wunder, kein Bedürfnis nach „neuem Lebensraum“ mehr, das Großkapital suchte wieder händeringend nach billigen Arbeitskräften. Also holte man Millionen ArbeiterInnen aus Italien, Spanien, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. So deckte man den Bedarf des Großkapitals an billigen Arbeitskräften und gleichzeitig trug man dazu bei, die Herkunftsländer indirekt in Unterentwicklung zu halten.

Schön und gut aber was haben diese „alten Kamellen“ mit dem hier und jetzt zu tun könnte man meinen.

In den siebziger Jahren endete die Aufschwungsepoche, welche nach dem Zweiten Weltkrieg angefangen hatte. Die Kapitalisten konnten die Massen an Menschen die hergeholt wurden, um ihre Arbeitskraft abzuschöpfen, nicht mehr gebrauchen. Sie sind, kurz gesagt, überflüssig geworden.

Gleichzeitig verursacht der Kapitalismus fortwährend Leid auf der ganzen Welt. Dem europäischen Kapital ist seit dem Ende der Kolonialzeit jedes Mittel recht um seine Interessen weiterhin in den für ihn geostrategisch wichtigen und Rohstoffreichen Regionen der Welt durchzusetzen.

Die sozialen Strukturen in vielen Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ werden durch „Entwicklungshilfe“, Strukturanpassungsprogramme und die Finanzierung von Marionettenregierungen, oder wenn nötig auch durch direkte militärische Intervention, zerstört. Die Folgen dieser Politik sind Kriege, Hungersnöte und Elend.

Ein Großteil, der Bevölkerungen dieser Länder, wird durch die direkten Auswirkungen dieser Politik zur Flucht gezwungen. Die Kapitalisten aber, haben seit dem Ende der oben genannten Aufschwungsepoche, spätestens aber seit der letzten großen Wirtschaftskrise kein Interesse mehr an Arbeitskräften. Dass diese Menschen aber vor allem Menschen und keine Arbeitskräfte sind, interessiert sie nicht.

Um die Massen an überflüssigen Flüchtlingen fern zu halten und gleichzeitig die eigene Bevölkerung von der hiesigen Krise abzulenken, gräbt man eben den Rassismus wieder aus und macht ihn erneut salonfähig.

Rassismus ohne Rassen

Spätestens seit den Lehren der NS Verbrechen, hat der klassische Rassismus, also die Menschen anhand von körperlichen oder genetischen Eigenschaften in verschiedene Menschengruppen einzuteilen ausgedient. An Stelle von genetischen Faktoren, nahm man nun einfach kulturelle Faktoren um Unterschiede zu erklären.

Geprägt wurde diese Neuauflage des Rassismus von der „neuen Rechten“. Mit Begriffen wie „Ethnopluralismus“ versuchen sie ihrem Weltbild ein wissenschaftliches Fundament zu geben. Dieser besagt, dass sich die Identität einer „Ethnie“ nur im Kontext eines Territoriums und einer spezifisch kulturellen Prägung entwickeln und erhalten kann. Daraus leitet man dann ab, dass man unterschiedliche „Ethnien“ zwar nicht wie damals ausrotten, aber doch zumindest räumlich voneinander trennen muss, natürlich nur um die „Vielfalt der Völker“ zu erhalten. Als Konsequenz verkündet man „Afrika den Afrikanern“ „die Türkei den Türken“ und zu guter Letzt „Deutschland den Deutschen“.

Anti-Immigrationsbewegungen wie die NPD, AfD, die Front National in Frankreich, die FPÖ oder die SVP propagieren dieses kulturrassistisches Gedankengut.

Spätestens seit der bis heute anhaltenden Fluchtwelle 2015, in der Menschen aus der „Dritten Welt“ sich aus der vom Imperialismus geschaffenen Elend zu retten versuchten, stoßen fremdenfeindliche Positionen innerhalb der Bevölkerung erneut auf vermehrte Zustimmung. Die Geflüchteten werden hier angekommen durch unsägliche Lebensbedingungen und dem Fehlen von Möglichkeiten diese zu verbessern praktisch in die Kriminalität gezwungen. Dies benutzen die Populisten von rechts als Legitimation für ihren Hass gegen Geflüchtete. Durch mediale Aufheizung können diese dann ihre Hetze und Taten mit der Stimmung innerhalb der Bevölkerung rechtfertigen. Mit Losungen wie „Wir sind das Volk“ versuchen sie sich als Repräsentanten des Volkes zu deklarieren.

Um festzustellen, dass die Einteilung der Menschen in „Rassen“ willkürlich ist, dass die Kultur nichts Angeborenes ist, muss man nicht besonders schlau sein. Wir Menschen haben die gleichen Fähigkeiten wie Sinneswahrnehmung, Sprach und Denkvermögen. Rassismus ist für den Kapitalismus aber von Nutzen, so kann er den Rassismus als eine Art vermehrter Konkurrenz innerhalb der Arbeiterklasse vorantreiben und somit deren Spaltung vergrößern. Arbeitsplatzmangel, Wohnungsnot und andere alltäglichen Existenzängste sind reale Probleme mit denen die Menschen in Deutschland und dem Rest von Europa tagtäglich konfrontiert sind. Um den berechtigten Zorn den diese Probleme verursachen von den Kapitalisten und dem Staat als ihrem Handlanger abzulenken, wird der Zorn, durch Medien und auch mithilfe der etablierten Parteien auf Flüchtlinge und Migranten kanalisiert.

Wir müssen uns solidarisch mit den Betroffenen zeigen und klar aufzeigen, wer für die Missstände in Deutschland und anderswo verantwortlich ist, wer den Nährboden für Rassismus schafft und wer davon profitiert.

Der Kampf gegen Rassismus wird daher immer wichtiger. Denn nur, wenn jede Form der Diskriminierung und Kategorisierung der Menschen überwunden wird, ist eine Welt frei von Ausbeutung und Unterdrückung möglich.

Die wahren Grenzen verlaufen nicht zwischen den verschiedenen Nationalitäten, Religionen oder Hautfarben, sondern zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, Unterdrückern und Unterdrückten, zwischen den Kapitalisten und der Arbeiterklasse.

Wir rufen alle auf aktiv zu werden und gemeinsam Widerstand gegen das kapitalistische System des Elends zu leisten.

Die Klassenkämpfe entfalten. Das Proletariat organisieren.

Mit dem Widerstand beginnen!

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