So wie es ist, darf es nicht bleiben (Editorial)

Roter Aufbau Hamburg

Die Welt ist in einer katastrophalen Situation und auch die radikale Linke kommt nicht vom Fleck. In den letzten Jahren konnten nur die Rechtspopulisten im Westen von der Krise des Kapitalismus profitieren. Das Erstarken der europäischen Rechten beruht auch auf dem Fehler der radikalen Linken, sich in einer Szenepolitik zu verlieren und zur einer Subkultur zu verkommen. Es hat durch die ganzen Abwehrkämpfe gegen Rechts eine Entpolitisierung wichtiger Teile der radikalen Linken stattgefunden. Wichtige Säulen der radikalen Kritik am Bestehenden wurden eingerissen und hinterlassen wurde eine Linke ohne Profil. So wurde u.a. die soziale Frage und damit die konkrete Kapitalismuskritik vom Antifaschismus getrennt, übrig geblieben sind auf Einhörnern reitende Popantifas, welche Konfetti werfen als einen antifaschistischen Akt begreifen. Unsere Aufgabe muss also wieder darin bestehen, die radikale Kritik mit den konkreten Kämpfen zu verbinden und eine vermittelbare Praxis herzustellen, um die Herzen den Menschen zu gewinnen.

Außerdem ist die parlamentarische Linke europaweit gescheitert und hat mal wieder ihr Versprechen durch eine Stellvertreterpolitik die Lebensbedingungen spürbar zu verbessern gebrochen, dadurch hat sie den Rechten in die Hände gespielt, die sich nun als einzige wählbare Alternative verkaufen können. Die Geschichte auch der linken Sozialdemokratie besteht nur darin, Hoffnungen und Kämpfe zu kanalisieren und sie ins System zu integrieren. Wir sind davon überzeugt, dass diese Verhältnisse nur revolutionär Überwunden und nicht abgewählt werden können.

Während sich ein Teil der früheren radikalen Linken auf dem Weg gemacht hat u.a. mit Unterschichtenbashing die Seiten zu wechseln, wollen wieder andere den Kapitalismus als ein abstraktes subjektloses System verstehen und damit die einzelnen Verbrecher freisprechen. Uns ist klar, dass wir nur konkret kämpfen können, dabei ist uns aber auch klar, dass nicht ein Auswechseln der Kapitalisten uns von diesem System erlösen wird, wir müssen schon allen KapitalistInnen ihre gesellschaftliche Funktion entreißen. Doch dies geschieht nicht irgendwann am St. Niemmerleinstag, sondern Stück für Stück in dem wir eine Gegenmacht aufbauen. Vor allem beginnt es darin, wenn wir anfangen die Probleme der Menschen unserer Klasse ernst zu nehmen und sie in den Fokus unserer täglichen Praxis zu setzen. Dies benötigt den Bruch mit der bisherigen Szenepolitik.

Wir verstehen uns als ein Teil einer weltweiten Bewegung der Unterdrückten und Ausgebeuteten, welche aufsteht und den Imperialismus entgegentritt. Internationale Solidarität heißt für uns nicht karitative Unterstützung, sondern das Verständnis, dass wir weltweit mit vielen Menschen auf der gleichen Seite der Barrikade stehen. Wenn die G20 in Hamburg zu ihrem Klassentreffen zusammenkommt, dann werden wir den Zeitpunkt nutzen und international unseren Widerstand formieren.

Wir sehen in den G20 Protesten die Möglichkeit uns zu vernetzen und diese Broschüre soll ein Beitrag dafür sein. Gemeinsam wollen wir revolutionäre, klassenkämpferische und internationalistische Positionen in die Proteste tragen.
Zuerst gehen wir in der Broschüre darauf ein, in welcher Gesellschaft wir leben, dann welche Kämpfe wir dagegen führen und abschließend welche konkrete Perspektive unsere aktuellen Kämpfe haben. Viele unterschiedliche Gruppen haben diese Broschüre erstellt. Deswegen haben die Beiträge sprachlich wie auch inhaltlich unterschiedliche Ansprüche. Wir verstehen die Broschüre nicht als abgeschlossenes Projekt, sondern viel mehr als ein Diskussionsangebot und laden alle ein, bei dem Diskussionsprozess teilzunehmen und mit uns gemeinsam in Aktion zu treten!